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Monats-Archive: März 2016

 

Paul Negropont Poster-001

 

PAUL, DEIN KLON IST FERTIG – Rezension von Elke Schumacher, Saarbrücken/D

 

Mit „Paul, Dein Klon ist fertig“, wagt sich Wolf Buchinger alias Paul Buchi auf für ihn doppelt neues Gelände. Zum einen ist es ein fast reiner Dialogroman, dem er durch zusammenfassende Hinweise auf das vergangene und zukünftige Kapitel Struktur verleiht, zum anderen handelt es von der Absicht der Reproduktionstechnologie, nicht nur Pflanzen und Tiere zu klonen, sondern auch einen Menschen (und der Annahme, dass daran schon längst mehr oder weniger heimlich gebastelt wird), um das eigene Überleben zu sichern.

Nicht zufällig hat die Hauptfigur Paul Ähnlichkeiten mit der Person des Autors. Und wer dessen vielfältiges und vielseitiges künstlerisches Schaffen kennt, wird so manche Parallelen entdecken.

In der für Buchinger typischen Art wird aus dem schweren Thema keine tiefschürfend-philosophische Abhandlung der menschlichen Anmaßung, sein eigener Schöpfer werden zu wollen, sondern mit Wortwitz und Situationskomik hat er ein leicht lesbares Buch geschaffen, dem es trotzdem nicht an Tiefgang mangelt.

Der erste Teil des Buches erinnert an den Film „Zwei gute Freunde“. Auch Paul Buchi ist be-hindert, hier emotional behindert, erstarrt in seinen Gewohnheiten, ein armer reicher Mann, dem es nur ums Geldverdienen ging und geht. Sein Pendant, Gegenspieler und immer deut-licher Freund werdender Partner ist in diesem Fall ein heruntergekommener französischer Clochard Edouard, den er irgendwann aufgelesen hat, sein Butler, der über die sinnliche Ebene den schon fast scheintoten Paul allmählich auftaut. Wie die beiden gegenseitig sich fordern und fördern und durch ihre Freundschaft verändern, ist für mich der schönste Aspekt des Buches.

Paul soll und will geklont werden. Er, der sich fragt, ob etwas von ihm bleibt, wenn er ab-treten muss, und wenn ja, was denn bleibt, sieht in Raoul, seinem Klon, die Lösung des Problems. In einer Mischung aus Science-fiction und Krimi, Lovestory und Gourmetbuch jagt die Geschichte über den halben Erdball und durch politische Systeme dem Show-Down zu, enden Experiment und Buch mit dem Versprechen, dass es eine Fortsetzung geben wird. Der Schluss erinnert in seiner warmherzigen Tragik an „Einer flog über das Kuckucksnest“, aber das ist fast schon zu viel verraten.

Ein originelles Buch, dem gelingt, was der Autor im Vorwort verspricht: Den Weg zu ebnen für die individuelle Lesart und Reaktion des Lesers.

 

 

Die meisten von uns fühlen sich verunsichert durch die schwer vorhersehbaren Veränderungen, verursacht durch Roboter und ihre unbestimmbare Macht über unser Dasein. So könnte es laufen:

Der Pöstler: «Früher war ich den ganzen Tag unterwegs. Heute sitze ich in einem abgedunkelten Büro und steuere die Drohne FLY4YOU©. Nervig sind Staus über den Hauptstrassen und die aggressiven Hunde.»

Die Serviceangestellte: (ausgestorbener Beruf). CALL & BRING®
hat selbst in der Dorfbeiz Einzug gehalten, ist sofort am Tisch,
bestellt immer das Richtige, spricht perfekt Deutsch und verweigert
Trinkgeld.

Die Betagtenbetreuerin: (ausgestorbener Beruf) Der ROBOLDIE©
ist immer nett und sieht alles, streichelt und reinigt liebevoll.
Senioren bestellen ihn mehrfach am Tag, weil er der liebste Mensch ist,
der ihnen je begegnet ist.

Der Lehrer: «INTELBOLZEN© ist der Liebling aller Schüler: stets sachlich, nie schlecht gelaunt, weiss wirklich alles und ist gerecht in jeder Situation. Er widersteht sogar frühreifen Girls.»

Der SFR-Moderator: «Ich hasse Sendungen vor 10 Uhr. Nun schlafe ich entspannt aus. Mein QUATSCHOFIX© brauchte nur 13 Sätze von mir. Nun kann er alle Sendungen moderieren.»

Der Arzt: MEDICUS AUTOMATICUS© kennt keine vollen Wartezimmer. Er arbeitet durch und muss nie etwas im
Internet nachschauen, guckt aber ohne Ekel in alles Menschliche rein und weiss auch die Psyche einzubeziehen.

Priester und Pfarrer: EGLESIUS©, der einzige Roboter, der die traditionelle Kleidung trägt. Im Talar führt er alle christlichen Aufgaben durch und predigt so fulminant, dass sich die Kirchen wieder füllen.

Die Führungskraft: Endlich kann sie ausschliesslich sachliche und kompetente Entscheidungen ohne Korruption und Gedanken an Boni treffen. ROBCEO©  lässt sich auch nicht durch Busen und Beine beeindrucken.

Der Flüchtling: Eine umfassende Software erledigt alle Aufgaben von Zoll, Polizei, Sozialdiensten und Hilfswerken. HOMEGATE© arbeitet zuverlässig und zugreifend.

Nebelspalter-Redaktoren: Das Ende des Klauens von Ideen und Kopierens. ROBISAT© misst, über wen gelacht wird und wer ins Fettnäpfchen getreten ist. Er zeichnet und schreibt ohne Angst vor Attentätern gezielt und hart.

Der Arbeitslose: «Scheiss Leben. Seit der Einführung des Überwachungsarmbandes WORK24© muss er nun arbeiten und Drohnen abstauben.»

Der Banker: Er ist der grosse Gewinner der 4. Revolution. Kein Roboter konnte dauerhaft auf Betrügen und Bescheissen programmiert werden, alle stürzten ab. Daher wird der Banker im alten Stil wohl nie aussterben.

Gott: Er gehört zu den Verlierern. Alle Versuche, ihm nachzuweisen, sind gescheitert. Ersatzweise hat man dem neuen Weltzentralcomputer den Namen GOOGLOO© gegeben.

(Wolf Buchinger/Nebelspalter)

 

Quelle: http://www.nebelspalter.ch/Die+Gewinner+der+vierten+Revolution/689279/detail.htm