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Mieter haben es manchmal schwer. Diese Erfahrung hat unser Gastautor Wolf Buchinger an seinem Wohnort gemacht. Eine (für ihn vielleicht weniger) unterhaltsame Odyssee beim Versuch, eine Pfütze in einer Tiefgarage im Thurgau zu bekämpfen. Die Spuren führen bis auf die Malediven.

Nein, kein zeitgenössisches Kunstwerk, sondern banaler Schimmel.

Plötzlich war vor fünf Jahren in der Tiefgarage der neuen Überbauung eine riesige Pfütze. Ich alarmierte den «Bewirtschafter» (welch eine Berufsbezeichnung!), doch dieser schien überbeschäftigt und bat um ein Foto. Offensichtlich war die Pfütze noch nicht gross genug, denn er reagierte erst nach dem nächsten heftigen Gewitter, dass etwas geschehen müsse. Es geschah ein Wassereinbruch nach dem anderen, ein Foto folgte dem nächsten und nach einem Jahr forderten wir höflich eine rasche Lösung, denn nun war auch die Decke feucht und weisser Kalk bescherte den Autos auch im Sommer eine weisses Aussehen. Nichts geschah.

Mittlerweile hatten wir auf eigene Rechnung in den angrenzenden Kellerräumen Trockner aufgestellt, auf die wir am dritten Geburtstag unserer Pfütze darauf hinwiesen, doch alle schienen in den Ferien zu sein, sie waren nun vielleicht auf Mallorca bewirtschaften. Die Mails im vierten Jahr haben offensichtlich den Empfänger verfehlt, denn niemand reagierte auch nach mehreren Wiederholungen. Wir probierten es mit Telefonaten, man versprach uns, dass der zuständige Bewirtschafter zurückrufen werde, doch ihm waren wahrscheinlich die hohen Gebühren von den Malediven zu hoch.

Der Erlenpark in Erlen, wo die Pfützen eine hohe Überlebenschance haben.

Und dann geschah das Wunder: Nachdem wir zum fünften Jahrestag gemeldet hatten, dass die tragende Mauer nun vom Wasser beschädigt ist, kam tatsächlich ein braungebrannter Bewirtschafter, machte Fotos und versprach, dass innerhalb eines Monats eine Planung gemacht wird und spätestens nach einem Vierteljahr alles repariert ist. Wir wollten schon ein Quartierfest machen, wir verschoben es zu Recht, denn weder Plan noch Reparatur wurden realisiert.

Wir wagten nun, den nationalen Bewirtschaftungsrat anzumailen, auch dort waren alle im Urlaub. Erst ein geharnischter (Post!)Brief bewirkte, dass wir eine kurze Mail erhielten, dass wir uns zu gedulden hätten (nach 5 Jahren), dass sie nicht jeden Mieterwunsch erfüllen könnten und dass ja schon einiges geschehen sei. Wir eilten hoffnungsvoll in den Keller – das Wasser war immer noch da.

Aus Verzweiflung schickten wir alle Unterlagen an den CEO, doch der scheint nach Rio umgezogen zu sein.

Tja, nun sitzen wir auf dem Trockenen, was die Kontakte unserer Bewirtschafter betrifft und im Nassen, denn die Mauer könnte in fünf Jahren zusammenbrechen.

Wie heisst es so schön im Lateinischen: Nomen est omen! Den richtigen Namen der Firma möchten wir aus Angst vor Repressionen nicht nennen, denn auch wir verstehen, dass in den Ferien niemand gerne arbeitet: WinnKassa oder so.