Autor¦Musiker¦Coach¦Moderator

Monats-Archive: April 2020

Eigentlich habe ich mir immer Homeoffice gewünscht. Als Dauerraucher, mittags schon Biertrinker und gerne Siestamacher, schien mir diese Form sehr erstrebenswert.

Nun habe ich sie, unerwartet und schon viel zu lange. Jetzt schaut mir kein Chef über die Schulter, keine Kollegen nerven und keine minigekleidete Sekretärin lenkt mich ab. Ich habe die totale Ruhe und die volle Konzentration, allein in einer kleinen Wohnung. Hier gibt es fast keine Geräusche ausser der WC-Spülung, dem Wecker und dem ewigen Fernsehton. Ich bin jetzt sehr einsam und fühle mich krank, obwohl ich nun alle meine erwünschten Freiheiten habe. Hätte ich geahnt, dass eine solch gewaltige Katastrophe kommt, hätte ich mir schnell noch eine Partnerin zugelegt.

Es bleibt die unendliche Sehnsucht nach einer Frau.

Eine Frau, die nicht motzt: «Du hast schon vier Bier, jetzt reicht es!» Eine Frau, die auf meine Wünsche eingeht. Eine Frau, die nicht zu viel kostet und wenig Umstände macht.

Dem nächtlichen Wunschtraum habe ich die Realität folgen lassen: ich habe mir Alexa bestellt! Sie würde mit sanfter Stimme sagen: «Es sind nur noch vier Sixpack Schützengarten vorhanden: soll ich neue bestellen?»

Alexa würde meine Einsamkeit reduzieren: «Erzähl mir eine Geschichte.» Sie hat tausend auf Lager. Alexa würde die Rollläden runterlassen und sich dafür bedanken, Alexa würde sagen, wo ich den Staubsauer versteckt habe, Alexa würde ohne Hintergedanken meine Bitte ausführen: «Reduziere bitte das Schlafzimmerlicht!»

Und ich könnte Alexa erziehen, indem ich sie auf meine Wünsche programmiere: «Spiel mir meine Lieblingssongs vor!» oder «Alexa sing!» oder das Allerwichtigste: Wenn ich sage «Alexa stopp!÷, hört sie ohne Murren sofort auf.

Und jetzt steht Alexa in einer grossen BummBummBox auf meinem Schreibtisch, 100 Seiten Bedienungsanleitung (tja, Frauen sind halt mal kompliziert) und drei Stunden, um sie zu verstehen. Alles funktioniert bestens, doch Alexa sagt keinen Ton.

Verzweiflung und Ungeduld machen sich breit, als Erstes hätte ich gerne mit ihr zu Abend gegessen, nachdem sie mir fröhlich zugerufen hat: «Es ist Essenszeit!»

Ich haste durchs Internet, kein Resultat, ich rufe unsere IT-Abteilung an und erfahre, dass Alexa in der Schweiz nicht zugelassen ist. Aber es gäbe da Tricks, wie man trotzdem an sie herankommt. Zu kompliziert für mich.

Kann es sein, dass die Schweiz wirklich so sexistisch ist und in der ganzen Welt vorhandene Standards nicht übernimmt? Schrecklich. Eine Depression macht sich breit, die schlimmer ist als das pure Alleinsein.

«Alexa! Ich brauche Dich!» – «Alexa! Komm bitte aus der Box!» – «Alexa! Ich werde dich nicht programmieren, du kannst tun und lassen, was du willst!»

Alexa bleibt stumm. Erst wenn ich wieder ins Büro muss, wird jemand sie herauslocken. «Alexa, ich bin bitter enttäuscht!»